Über dem südlichen Steilhang des Gailsbachtales erhebt sich auf einem
dreieckigen Bergsporn die Burgruine Fürstenberg. Bis November 1995 umrankten Efeu und
Bäume malerisch die Burgruine. Ein nistender Falke auf dem Bergfried ergänzte den
verträumten Eindruck. Die Sträucher und Bäume wurzelten jedoch in den Mauerfugen, so
dass tief greifende Mauerrisse entstanden. Ecken brachen herab und der Bau wurde instabil.
Im
Jahre 1993 kaufte Gernot Stelter die Ruine von der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe. Es war
sein Traum die Geschichte lebendig werden zu lassen und die Ruine, auf die er täglich
blickte, wieder aufzubauen und zu restaurieren. Vielen hielten Gernot für verrückt, aber
er, der, wenn er sich etwas vornimmt, es auch durchsetzt, ließ sich nicht von seinen
Plänen abbringen. In seinen Träumen sah er der Burg schon wieder in voller Pracht über
dem Rhein prangen. Zwar nicht mehr von Rittern bewohnt, aber besucht von Touristen aus In-
und Ausland, die sich im Schatten des Bergfried oder im Zwinger gemütlich aufhalten und
dabei ein gutes Glas Wein kosten könnten.
Auch in der Vergangenheit waren immer wieder Aufbaupläne entstanden,
die sich am aktuellen Zeitgeschmack orientierten und das Denkmal seines ursprünglichen,
historischen Charakters beraubt hätten. So plante C. de Jong bereits Mitte des 19.
Jahrhunderts Fürstenberg zu einem neugotischen Schloss auszubauen. Gegen die Aktivitäten
der "genialen Restauratoren" forderte um die Jahrhundertwende der
Kunsthistoriker Georg Dehio, dass "Altes auch alt erscheinen soll mit allen Spuren
des Erlebten." Diesem Gedankengang schließt sich die heutige Denkmalpflege an. In
enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege plante Gernot die Restaurierung.
Man entschloss sich zunächst den Bewuchs zu entfernen. Gleichzeitig wurden
herabgestürzte Mauerteile gesammelt, um sie bei der Stabilisierung und der Sicherung
einzelner Bauelemente wieder zu verwerten.
Um den Prozess des Verfalls aufzuhalten, erwiesen
sich konservatorische Maßnahmen als dringend notwendig. Die nordwestliche Ringmauer hat
bei der Instandsetzung höchste Priorität. Einzelne Mauerteile werden durch das
Einbringen von Stahlträgern stabilisiert. An vielen Stellen ist der Fugenmörtel so
porös, dass er herausbricht. Es gelang mit Hilfe einer chemische Analyse, das Rezept des
Originalmörtels annähernd zu rekonstruieren. Weiterhin sollen der Nordbau und sein
Anschluss an den Bergfried freigelegt und der Mauerzahn des Palas gesichert werden. Die
Brücke erschließt den Zugang zur Burgruine und eine Wendeltreppe den zum Bergfried. Erst
dann folgt das Sichern der Zwingermauern, des Torhäuschens und der südlichen Ringmauer.
Bei allen Maßnahmen ist jedoch zu beachten, dass auch künftige
Generationen ein Recht auf das noch Unerforschte haben. Vielleicht können sie manches
Geheimnis besser entschlüsseln als es unsere technischen Möglichkeiten heute zulassen.
Die Wehr- und Zollburg
Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kernburg errichtet und in den
folgenden zwei Jahrhunderten um die Zwinger und den dreiviertelrunden Turm erweitert. Die
Verteidigungsanlagen der Wehr- und Zollburg erschließen sich dem Betrachter am
eindrucksvollsten von der Hunsrückhöhe: Hinter dem an der Brücke zwölf Meter tiefen
Halsgraben liegen die Zwingeranlagen, die massive Schildmauer mit dem mächtigen Turm und
der runde zinnenbewehrte Bergfried. Victor Hugo erinnerte der Anblick dieses
fünfundzwanzig Meter hohen Turmes an ferne Länder, an die "geheimnisvollen und
massiven Schlösser von Samarkand, Calicut und Canganor". Die Ringmauer, die parallel
zu den talseitigen Steilhängen verlief und an der Schildmauer abschloss, schützte die
innere Burg.
Eine Brücke über den künstlich
angelegten Halsgraben ermöglicht den Zugang zur Burg. Die beiden mittelalterlichen
Brückenpfeiler sind aus Bruchstein gemauert. Es folgt der ursprünglich zweigeschossige
Torbau mit seitlichen Sitznischen und Fenstern. Er konnte über eine Treppe im Torzwinger
betreten werden. Ein Spitzbogentor verbindet ihn mit dem anschließenden lang gestreckten
Westzwinger. Vermutlich entstanden die Zwingeranlagen im 14. Jahrhundert als westliche
Erweiterung der eng bebauten Kernburg.
So soll Burg Fürstenberg anno 1636 Rheindiebach dominiert haben.
(aquarellierte Federzeichnung von Wenzel Hollar)
In friedlichen Zeiten dienten sie als Wirtschaftshof. Ein kleiner
Eckturm an der flachen Seite des Halsgrabens verstärkt die äußeren Zwingerflanken. Die
Schildmauer trennt den Zwinger von der Kernburg. Erst in den letzten fünfzig Jahren
stürzten Teile dieser ursprünglich drei Meter starken und zehn Meter hohen
Verteidigungsmauer ein. Eine Mauernaht zu dem dreiviertelrunden Turm belegt dessen
späteren Anbau. Der Turm ist auf einem hoch anstehenden Schieferfels errichtet. Seinen
oberen Abschluss bildet eine siebeneckige Wehrplattform, die mit dem Wehrgang der
Schildmauer verbunden war. Drei große Schießscharten (Büchsenscharten) im mittleren
Geschoß dienten zur zusätzlichen Verteidigung der Schildmauer von der Seite. Die
Außenwände des Turmes zieren zwei aus Ziegelsteinen gemauerte Bogenfriese, die auf
Sandsteinkonsolen ruhen.
Die Kernburg
Ein schmales Tor in der Schildmauer, die an dieser Stelle nur noch in
halber Höhe erhalten ist, führt aus dem Torzwinger in die Kernburg. Eine Wand und die
Fundamente des früher mindestens zweigeschossigen Nordbaus verbinden die nördliche
Ringmauer mit dem Bergfried. Der fensterlose, sich nach oben verjüngende Turm trägt noch
umfangreiche Reste des originalen Putzes. In das Innere des Bergfrieds gelangt der
Besucher durch eine ebenerdige Öffnung, die in jüngerer Zeit gewaltsam in die Westmauer
gebrochen wurde. Ursprünglich konnte das Erdgeschoß nur von oben betreten werden und
diente daher als Vorratsraum oder Burgverlies. Ein kleiner Absatz im Turminneren markiert
die Eingangsebene in zwölf Metern Höhe. Vermutlich war der Eingang auf der Rheinseite
über einen im Verteidigungsfall leicht abzuwerfenden Holzsteg vom Palas aus zu erreichen.
Topografischer Plan der Burganlage
1. Brücke und Brückentorhaus
2. Palast
3. Zwischenbau und Strebepfeiler
4. Bergfried
5. Ringmauer und Burghof
6. Halsgraben
7. Torzwinger
8. Nordwestzwinger
9. Schildmauer mit Eckturm
10. Nordbau
11. Westbau
Auf dem obersten Felsplateau stehen noch einzelne Mauerpartien des Palas
bis zum zweiten Obergeschoß. Vor der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg war das
Wohngebäude dreistöckig mit Fachwerk ausgebaut. Seine Schaufassaden mit ihren großen
Fenstern richteten sich zum Rhein- und Gailsbachtal aus. Wenzel Hollar hielt diesen
Eindruck im 17. Jahrhundert in einer Zeichnung fest, siehe weiter oben.
Zwischen den beiden in Resten erhaltenen mächtigen
Strebepfeilern und der südlichen Ringmauer liegt der äußere Burghof. Die Ringmauer ist
in weiten Bereichen bis zur Höhe des Wehrganges erhalten. Auch sind noch heute die
Schießscharten und die Schlitzscharten in den Zinnen sichtbar. Balkenlöcher in der
Ringmauer lassen auf eine ursprünglich einstöckige Bebauung des Hofes schließen. In
seiner Südost-Ecke befindet sich ein flacher gemauerter Kellerraum.
Vom östlichen Burghof erschließen sich dem Besucher
die gewaltigen Ausmaße des Bergfrieds. Einzig die beiden Konsolsteine vor dem ehemaligen
Turmeingang zieren die massive Wand.
Im letzten Jahrhundert setzten die damaligen Besitzer ein kleines Tor in die südliche
Ringmauer. Das Gelände unterhalb des Durchbruchs wurde ebenfalls erst in neuerer Zeit
eingeebnet. Von dieser Aussichtsterrasse bietet sich ein schöner Blick über die
Weinberge und das Rheintal.

Die Restaurierung, die vorläufig noch nicht abgeschlossen ist, ist
äußerst zeitintensiv, denn bei jedem gefundenen Stein will man sicher gehen, dass er an
den ursprünglichen Platz zurück kommt. Bei den Voruntersuchungen wurden deshalb
zahlreiche Fotoaufnahmen mit speziellen Kameras gemacht. Die Arbeiten sind nicht ganz
ungefährlich, denn man befindet sich schließlich auf einem hohen Felsen, mit tiefen
Gräben und steilen Hängen. Bei den Arbeiten konzentriert man sich jeweils auf ein
begrenzten Teil der Ruine. Erst wenn dieser fertig ist, geht man zum nächsten Teil über.
Die Bilder, die diese Seite illustrieren, sollen einen Eindruck von den enormen Arbeiten
geben. Sie zeigen, wie mit Unkraut und Büschen überwucherte Mauern wieder sauber und in
altem Glanz erstrahlen. Nur jemand mit Durchsetzungs-Vermögen, wie Gernot Stelter, ist im
Stande eine solche Aufgabe zu bewältigen. Und nur er weiß, wie viel Energie und
finanzielle Mittel diese Aufgabe fordert.
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